Mamma mia, einfach zum Schießen

Mafia-Lustspiel: Mönchberger Gesetzbücher starten zur »Kur ohne Schatten« – Mitreißender Angriff auf die Lachmuskeln

Turbulentes Finale: Die Kurgäste werden vom Kommissar und von Mama Vitello mit Pistolen in die Zange genommen.
 
Foto: Heinz Linduschka

Mönchberg
Laute Schimpfkanonaden à la »Mamma mia, Canneloni«, unzählige Schläge auf den Hinterkopf – so sieht es aus, wenn eine witzige Mafiavariante ihr Unwesen im Kurort Mönchberg treibt.
Offensichtlich hat Regisseur Reinhold Keller mit seinem Team im 24. Jahr der Erfolgsstory der Mönchberger »Gesetzbücher« eine gute Nase bewiesen, als er im Kurort den lustigen Dreiakter »Kur ohne Schatten« wählte, denn so viel Lachsalven und Beifall wie bei der diesjährigen Premiere dürfte es im Pfarrheim noch selten gegeben haben.

Turbulenzen im rosa Foyer

Zugegeben: Es wird wieder viel mit Klamauk, mit Slapstick und auch mit Kalauern gearbeitet, aber das störte am Samstagabend niemanden. Turbulent, temporeich und mit meist mitreißender Spielfreude tobten sich die elf Akteure auf der Bühne aus, die in ein Kurhotelfoyer in Rosa verwandelt worden war. Der Portier Thorsten, von Marco Motzel – »Schick bis ins G’nick und wieder zurück« – in einer schönen Mischung aus Diensteifer und Motzhaltung gespielt, konnte den Eindruck gewinnen, nicht in einem Kurhotel, sondern in einer Irrenanstalt hinter dem Tresen zu stehen.
Eleonore Knapp – wieder zum Schießen komisch – versucht als Mama Vitello mit ihrem Sohn Vincenzo, souverän und wandlungsfähig von Werner Becker verkörpert, das Collier der Gräfin Mathilde von Märthesheimer zu stehlen, von Renate Miltenberg genau so gespielt, wie man sich eine Gräfin vorstellt, die im Kurort Mönchberg kurt. Auch der Anton Häfner des Alois Miltenberger und der Peter Dressler des Erich Österlein erfüllen alle Klischees von kurunwilligen Kurgäste, die unentwegt auf die Suche nach Pizzas und Bier-Sixpacks sind und die Anwendungen als notwendiges Übel hinter sich bringen wollen.

Spaß bei Slapstick und Kalauer

Dass beide manchmal dicht an der Grenze zum Slapstick agieren und dabei nur noch vom Kommissarverschnitt Udo Seufert übertroffen werden, der so etwas wie eine Mönchberger Variante der »nackten Kanone« mit viel Spaß am überzogenen Agieren und am Kalauer auslebt, sorgt bei »Kur ohne Schatten« immer wieder für beste Laune im Publikum.
Den großen Renner im Stück allerdings liefert ein Ehepaar, wobei der Mann von seiner Frau zur Kur gebracht wird: die Figuren der Roswitha und des Gisbert Maibohm sind allein schon das Eintrittsgeld wert. Alexandra Seufert und Gebhard Motzel liefern in diesen Rollen eine Leistung ab, die auch Profis alle Ehre machen würde.
In begeisternder Naivität fragt sich Roswitha immer wieder: »Warum muss man sich in Männer verlieben? Ich hätt’ so einen schönen Hund anschaffen können.« Und ihr Gisbert braucht fast bis zum Ende des Stücks, um »Ehefrauenspucke auf der Backe« so richtig schätzen zu können. Dann hat der Göttergatte die Angriffe der beeindruckend nervigen Tessa, der temperamentvollen Anita Keller mit den lila Haaren, endlich abgeschlagen, auch mit Hilfe der patenten Krankengymnastin Silke, taff und energisch von Michaela Goihl dargestellt.
Dass es um den echten oder vermeintlichen Diebstahl eines Colliers geht, ist fast schon Nebensache, so turbulent geht es zwischen den Gästen und Angestellten des Kurhotels zu. Und dass am Ende Vincenzo von der Mafia etwas mit Silke von der Krankengymnastik anfängt, wundert niemanden, denn bei einer Komödie kriegt am Ende ohnehin fast jeder jemanden ab.
Ohrenfeigenfestivals zwischen Häppchen, alternative Reiseziele wie »Mallorca, Paris und Röllbach«, die besorgte Ehefrau Roswitha, die als eine zum Brüllen komische falsche Gräfin mit schwarzer Brille blind wie ein Maulwurf »unauffällig im Hotelfoyer herumflambiert« und unentschlossen zwischen »beknackt« und »overdressed« schwankt – wer von einer Komödie zwei Stunden lang lustige Unterhaltung ohne eine Minute Langeweile erwartet, kommt bei »Kur ohne Schatten« der »Gesetzbücher« voll auf seine Kosten.
Dass Ludwina Weis als Souffleuse wieder mal arbeitslos ist, dass die Maske der Helga Becker und die Frisuren der Jessica Schöner genauso stimmig sind wie die Technik, für die Ronald Reinfurt und Mike Haber sorgen, rundet einen gelungenen Abend ab, zu dem man Regisseur Reinhold Keller und seiner Truppe nur gratulieren kann. Heinz Linduschka