Für uns bedeuten die Bretter die Welt –>Zum Orginal(1,4MB)

„Ich liebe es, Theater zu spielen.
Es ist so viel realistischer als das Leben“, dieser Ausspruch
stammt von Oscar Wilde (1854 – 1900) und hat nichts an seiner
Aussagekraft verloren.

Nicht nur auf den großen Bühnen in den Metropolen dieser Welt
wird mit viel Passion Theater gespielt, sondern auch im Miltenberger Landkreis gibt es immer wieder hervorragende Aufführungen. Mit Laiendarstellern, die
ihr Herz an das Theater verloren haben und weder Zeit noch Mühe
scheuen, um auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu stehen und
das Publikum in ihren Bann zu ziehen.
In vielen Gemeinden und Städten haben sich Laientheatergruppen
zusammengefunden um im kleineren oder größeren Rahmen
Aufführungen zu geben, die unsere Kulturvielfalt aufs Amüsanteste unterstützt.
Ein gutes Beispiel wie ansteckend der Theatervirus sein kann,
ist die Theatergruppe „Die Gesetzbücher“ aus Mönchberg. Anita Keller und Renate
Miltenberger, zwei Gründungsmitglieder der Mönchberger Theatergruppe, erzählen, wie es zur
Gründung der „Gesetzbücher“ kam und woher der ungewöhnliche Name stammt: „Die Mönchberger Bürger sind früher dafür bekannt gewesen, dass sie alles
etwas genauer nehmen, deshalb wurde ihnen der Spitzname
´Die Gesetzbücher´ verpasst. Da wir Mönchberger sind und unsere Stücke auch immer
an das örtliche Geschehen anpassen, haben wir diesen Namen für unsere Theatergruppe einfach übernommen. Die Theatergruppe wurde wieder ins Leben gerufen, weil für
die Pfarrheimrenovierung eine Einnahmequelle gesucht wurde.
Da rief Burkhard Bösel zur Gründung einer Theatergruppe auf.
Am Anfang war der Andrang noch recht schwach. Erst bei weiteren
Treffen gelang es dem Initiator, eine kleine Gruppe von kunterbunt
zusammengewürfelten Leuten zu bewegen, eine alte Theatertradition – in Mönchberg wurde bereits in den 50er und 60er Jahren Theater gespielt – wieder aufleben zu
lassen. In dem damals noch alten Pfarrheim, besser als die ´Anstalt´
bekannt, wurde innerhalb weniger Wochen unter der Regie von Rudi
Stauder drei Sketche einstudiert. Die Mittel waren primitiv und mit
viel Herzklopfen hatten die Akteure im Juni 1987 zum Pfarrfest die
erste Premiere.“  Ein gutes Beispiel wie ansteckend der Theatervirus sein kann, ist die Theatergruppe Bei der Gründung der Theatergruppe 1987 wurde der Gruppe das Manuskript des Stückes „Lisbethchen
von Mönchberg“ überreicht, das
schon 1951 und 1967 gespielt wurde. 1992 wurde dieses Stück im
neuen Pfarrheim in historischen Gewändern aufgeführt.
In diesem Jahr können „Die Gesetzbücher“ auf 25 Jahre Theater
zurückblicken. Jahre, in denen sie ihr Publikum immer wieder mit
neuen Stücken überraschten und erfreuten. Bis heute sind sie kein
Verein, sondern eine Art „Untergruppe des Pfarrgemeinderats“.
Renate Miltenberger: „Der Applaus ist unser Lohn, denn wir spenden
alle Einnahmen nach Abzug unserer Kosten für die Aufführung.“

Alle Jahre wieder

Alle Jahre im September beginnt die Suche nach den passenden
Stücken. Es werden Theatervorlagen bestellt und dann lesen sich
Frau Keller und Frau Miltenberger durch die vielen Manuskripte,
bis sie etwas Geeignetes gefunden haben. Anschließend ist der Regisseur Reinhold Keller gefragt, denn er schreibt die Stücke so um, dass sie sowohl für die ca. 10 Schauspieler des Ensembles als auch für Mönchberg optimal zugeschnitten sind. Reinhold Keller hat schon
einige Seminare bei Profis absolviert, denn er hat ebenso wie das
ganze Team den Anspruch, jedes Jahr besser zu werden.
Anschließend beginnen die Proben, die ein- bis zweimal pro Woche bis zur Aufführung im März stattfinden. „Für die Proben steht uns das Pfarrheim zur Verfügung,
die meisten Kostüme sind von Leuten gespendet und das Möbelhaus
Sandt aus Großheubach stellt die Möbel und die Dekoration für die
Bühne. Was uns dann noch fehlt, leihen wir von anderen Theatergruppen, denn wir verstehen uns untereinander alle sehr gut. So können wir unsere Ausgaben gering halten und mehr spenden“, erklärt Anita Keller. „Bei unserem ersten Auftritt brauchten wir noch Baldrian“, amüsiert sich Renate Miltenberger,
„später tat es ein Glas Sekt und heute sind wir so routiniert, dass
wir einem Neuling,
der vielleicht mal einen Hänger hat, problemlos
weiterhelfen können. Jede Szene ist so oft geprobt, das gibt große Sicherheit. Etwas Lampenfieber vor den Auftritten gehört allerdings auch dazu.“ Anita Keller fügt an:
„Es ist wichtig, dass man sich in seine Rolle gut reinversetzen kann
und natürlich spielt. Was man spricht, sollte man auch machen,
denn Körpersprache, Gestik und Mimik machen einen guten Schauspieler aus.“
Beide Laiendarstellerinnen sind sich einig, dass sie das Theater
spielen nicht missen möchten, und erleben es als eine große Bereicherung. „Schon im Sommer werden wir kribbelig und warten auf ein neues Stück für die Vorstellung im
kommenden Jahr.“ In diesem Jahr steht die Komödie „TuS Wadenkrampf im Showfieber“ auf dem Programm und die Lachmuskeln der Zuschauer werden
wieder tüchtig strapaziert werden. Überhaupt spielt die Truppe gerne
Komödien, denn „die Menschen sollen einen Abend lang nur Spaß
und Freude haben und abschalten können“, so Renate Miltenberger.
Frisches Blut für das Ensemble wird bei den „Gesetzbüchern“ immer gebraucht, vor allem für Jugendliche oder junge Erwachsene gäbe es noch Rollen zu besetzen.
-L.S.-